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Vergelt's Gott!


aus: Ferdinand Baumann: Die Welt braucht heilige Vorbilder, Heilig- und Seligsprechungen Johannes´ XXIII.. Butzon & Bercker Verlag Kelvelaer 1963, S. 73-84 (176 Seiten; Imprimatur N. 4 - 357/63. Monasterii, die 2 Decembris 1963 Vicarius Generalis).

"Wie sehr hat mich Gott geliebt!" - so schrieb der Heilige im Rückblick auf sein Leben - "Er führte mich an seiner Hand bis zur Kongregation vom Heiligsten Sakrament ... Die heilige Eucharistie stand im Vordergrund in allen Abschnitten meines Lebens. Die seligste Jungfrau aber hielt diese Neigung in mir wach und lebendig. Sie hat mich dem eucharistischen Heiland gegeben."

Als Peter Julian (geboren in La Mure-d'Jsere bei Grenoble) erst vier oder fünf Jahre zählte, sagte er eines Tages zu seiner um zehn Jahre älteren Schwester, die häufig zur heiligen Kommunion ging: "Du bist wirklich glücklich, weil du oft kommunizieren kannst. Tu es doch einmal auch für mich!" - "Was soll ich für dich erbitten?" erwiderte die Schwester. - "Bitte Jesus, daß ich recht brav, beherrscht und rein sei und daß ich eines Tages Priester werde." - Als er im Knabenalter einmal mehrere Stunden lang nicht gesehen wurde, suchte man ihn überall und fand ihn schließlich hinter dem Altar der Pfarrkirche auf einem Schemel, das Köpfchen an den Tabernakel gelehnt. "Was tust du hier?" - "Ich bin nahe bei Jesus und ich höre auf Ihn." - Er ließ sich aber auch vieles kosten, um das durch Gottes Gnade ihm gezeigte Ziel zu erreichen. Sein Vater weigerte sich nämlich, ihn studieren zu lassen, und wollte ihn in seinem Geschäft als Mechaniker festhalten. So suchte denn der
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Diener Gottes nach seiner schweren Arbeit insgeheim Latein zu lernen, soweit dies möglich war. Auf Verwendung eines Paters der Oblaten Mariens, des späteren Kardinals Guibert von Paris, konnte er endlich mit siebzehn Jahren in das Noviziat jener Kongregation in Marseille eintreten, mußte es aber nach zehn Monaten infolge Krankheit wieder verlassen. Durch die Fürsprache des Gründers der Oblaten Mariens, des Dieners Gottes Eugen de Mazenod († 1861), nahm man ihn jedoch im Jahre 1831 im Seminar von Grenoble auf. Drei Jahre später wurde er dort, unterdessen Vollwaise geworden, am 20. Juli 1834 zum Priester geweiht. Wenn er schon im Seminar einmal niedergeschrieben hatte: "Ich habe erkannt, daß ich Jesus im heiligen Sakramente nicht genug meine Liebe erweise, d. h. daß ich bei der Betrachtung zu viel denke und nicht genug bete", so schien er nach der Priesterweihe nur mehr für die heilige Eucharistie zu leben. Seine Schwester Marianne bezeugte: Mehr als zwei Stunden vor seiner heiligen Messe war er unzugänglich für alle; fast ebenso lang verblieb er nach seiner Danksagung in tiefster Sammlung. Zunächst sandte ihn der Bischof von Grenoble als Vikar nach Chatte und dann als Pfarrer nach Monteynard, wo auch seine Liebe und Sorge für die Armen ganz besonders auffiel. Für sein inneres Leben hatte er sich, wie er schrieb, eine zweifache Stätte gewählt: den Kalvarienberg der Unterordnung, der Arbeit, der Entsagung und der Kreuzigung, und dazu als Ort der Ruhe den Tabernakel Gottes in der heiligen Eucharistie, wo er sich immer neue Weisungen und Kraft für die Arbeit holen wollte. Zugleich wollte er die evangelischen Räte beobachten und sich deshalb der jungen Kongregation der Gesellschaft
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Mariens (oder Maristen) anschließen. Sein Bischof gab ihm dazu die Erlaubnis mit den Worten: "Ich zeige meine Wertschätzung für die Gesellschaft Mariens gerade indem ich ihr einen solchen Priester gebe." Da der Diener Gottes aber fürchten mußte, daß die Liebe seiner Pfarrkinder ihn von seinem Entschluß abhalten könnte, verließ er die Pfarrei im geheimen. Doch seine Schwester begegnete ihm unterwegs, erriet seine Absichten und flehte ihn an, wenigstens noeh einen Tag zu bleiben. "Gott ruft mich heute; morgen wäre es zu spät", erwiderte ihr Bruder. Seine Schwester fiel vor Schmerz über diese Antwort in Ohnmacht, er aber ließ sie in den Armen ihrer Begleiterin und ging seinen Weg weiter, denn - so erklärte er nachher einem priesterlichen Freund - hätte er auch nur einen Tag gewartet, so wäre er nicht mehr weggegangen, weil ihn der Schmerz und die Tränen seiner Schwester und seiner Pfarrkinder zu sehr ergriffen hätten. Erinnert man sich da nicht unwillkürlich an die heilige Franziska von Chantal, die über ihren Sohn hinwegschritt, der sich vor der Türe niederwarf, um ihr den Weggang ins Kloster unmöglich zu machen?

Siebzehn Jahre gehörte P. Eymard der Kongregation der Maristen an, in die er am 22. August 1839 eintrat. Die seligste Jungfrau kannte die Absichten, die Gott mit diesem Priester hatte und führte ihn in diesen Jahren immer noch näher hin zur heiligen Eucharistie. Bezeichnend für seine innere Entfaltung sind Aufzeichnungen aus den ersten Jahren seines Maristenlebens: "Die zwei Lieblingsgegenstände meiner Betrachtung sind Jesus im heiligsten Sakrament und der Himmel, die Anschauung Gottes. - Wir wissen genug, um große Heilige zu werden, wenn wir zwei Dinge gut verstehen: das eigene Nichts einzugestehen und zu lieben, und uns zugleich in die Arme des Vertrauens auf Gott zu werfen." Bei einer Wallfahrt zum Heiligtum Mariens in Lyon-Fourviere machte ihm der Heiland den liebevollen Vorwurf: "Was fürchtest du? Wirf dich in meine
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Arme!" - Gleich nach seinem Noviziat wurde er mit der geistlichen Leitung der Zöglinge des Kollegs in Belley betraut und kaum 4 Jahre später wurde er zum Provinzial der Maristen ernannt. Er schrieb darüber einem Bekannten: "Ich bin Provinzial der Maristen, mit 33 Jahren und ohne Erfahrung! Ich schäme mich, es zu sagen." Um dieser neuen Aufgabe - in Lyon, in der Nähe des Ordensoberen P. Colin - zu entsprechen, nahm er sich vor: "Ich will eine große Leere in mir selbst schaffen, damit Gott sie fülle, und ich will mutig an der eigenen Selbstentfremdung arbeiten, denn nur dann tut Gott Großes durch uns, wenn er uns ganz losgelöst fIndet vom eigenen Ich." Am Fronleichnamsfest des Jahres 1845 durfte er in der Prozession das Allerheiligste tragen, von lebendigem Glauben und Liebe zu Jesus in der heiligen Hostie erfüllt: "Jene zwei Stunden" - so schrieb er nachher nieder - "schienen mir nur ein Augenblick zu sein ... Wie sehr klopfte mein Herz und wie sehr hätte ich alle Herzen der ganzen Welt in dem meinen haben wollen, um sie alle Jesus zu schenken! Schon seit dem Anfang dieses Monats spüre ich mich ganz stark hingezogen zur heiligen Eucharistie, die mich drängt, alle zur Liebe Unseres Herrn zu führen und nur Jesus Christus, und zwar Jesus Christus in der Eucharistie zu predigen ... Was auf mich besonderen Eindruck macht, ist der Zustand der Verdemütigung und des Gehorsams, in den Jesus sich im heiligsten Sakramente begibt ... Die große Tugend, die er von mir verlangt, ist das Aufgeben meines eigenen Willens."

P. Eymard hatte mit großem Eifer und Erfolg auch für einen "Dritten Orden Mariens vom inneren Leben" gearbeitet und dabei das Fräulein Margareta Guillot, die spätere Mitbegründerin der "Dienerinnen des Heiligsten Sakramentes" kennengelernt. Im Jahre 1851 wurde er von Lyon nach Seyne-sur-Mer versetzt, um das
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dortige Kolleg zu leiten; es wurde ihm aber auch verboten, sich weiterhin mit dem Dritten Orden zu beschäftigen. Dies war für ihn ein großes Opfer, doch Gott fügte es so, weil er anderes und Größeres vorhatte mit diesem seinem Diener, der durch stete und edelmütige Opferbereitschaft die dafür notwendige Voraussetzung schuf. P. Eymard selbst schrieb einmal das wahre Wort: "Das beste Mittel, um Großes für Gott zu leisten, besteht darin, Kleines zu tun, wenn Gott es so will; denn es gibt nur ein Mittel, um alles zu erreichen: die Treue, wodurch dann die Gnaden ineinander greifen, sich folgen und vervielfältigen." Wenn der Heilige, der einige Zeit hindurch auch Novizenmeister war, sich schon immer in besonderer Weise zur heiligen Eucharistie hingezogen fühlte, so wurde doch erst anfangs des Jahres 1851 im Heiligtum unserer Lieben Frau von Fourviere seine Berufung deutlich ausgesprochen, wie er selbst, viele Jahre später, der Mutter Margareta Guillot erzählte: "Am 1. Januar zelebrierte ich die heilige Messe in Fourviere, weil ich dem Sohn und der Mutter meine Neujahrswünsche darbieten wollte. Der Heiland erwies mir da eine große Huld: Mein Herz ward mit Bitterkeit getränkt bei dem Gedanken an die Unbill, die er im heiligsten Sakramente erfährt, und bei der Erinnerung daran, daß er so wenig gekannt und geliebt wird. Dieses Herzeleid war so stark, daß auch mein Körper dadurch ganz erschöpft war. Was könnte ich denn tun, 0 Herr, - so fragte ich ihn - um Dir Entschädigung zu bieten? - Und Maria erwies sich mir unaussprechlich gütig." - "Am 21. Januar des gleichen Jahres machte ich wieder einen Besuch und fragte die seligste Jungfrau Maria, was ich tun könne, um dem Heiligsten Sakramente Liebe zu verschaffen. Ich sagte ihr: ,Jeder Orden ehrt ein bestimmtes Geheimnis. Die Eucharistie aber, das größte aller Geheimnisse, hat keine Ordensgenossen-
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schaft zu ihrer besonderen Verehrung.' Da zeigte sich mir Maria, weiß gekleidet, und sagte mir, es sei ihr Wille, daß ich mich bemühe, ihrem göttlichen Sohne in der heiligsten Eucharistie gebührende Ehrung zu verschaffen." - Eine dritte große Gnade erhielt der Heilige wiederum in Fourviere am 2. Februar 1851: "Maria - so gestand er - war so gut zu mir. Ich sah ganz klar, was sie von mir wollte: meinen Einsatz dafür, daß der Herr im heiligsten Sakramente besser gekannt und mehr geehrt werde. Sie zeigte sich mir dann in der ganzen Kleidung der Dienerinnen des Heiligsten Sakramentes und sagte mir: ,Peter, du wirst sie Dienerinnen nennen und wirst ihnen dieses Kleid geben.'''

Als aber P. Eymard auf den Wunsch des Himmels eingehen wollte, stellte sich ihm bald die Frage, ob dies mit seinem Beruf als Marist vereinbar sei. Nach längerem Ringen davon überzeugt, daß Gott von ihm das Opfer seines bisherigen Berufes wollte, machte er in Voraussicht der großen, kommenden Schwierigkeiten das Gelübde, sich bis zum Sterben um die Gründung einer Kongregation von Anbetern des heiligsten Sakramentes zu bemühen, und er versprach dem Herrn, daß nichts ihn davon abhalten werde, "selbst wenn er Steine essen und in einem Spitale sterben müsse". Zugleich erbat er sich von Gott die Gnade, in diesem Bemühen "zu leiden ohne menschlichen Trost". Papst Pius IX., dem Freunde den Plan vorlegten, zeigte sich darüber erfreut und bemerkte: "Es ist das Werk Gottes; ich wünsche es. Noch kann ich es nicht bestätigen; später werde ich es tun" - wenn sein Entwurf nämlich durch die rechtmäßigen Vorgesetzten und durch den Bischof vorgelegt würde. Da jedoch der damalige Generalsuperior der Maristen gegen die Ausführung des Planes war, erreichte P. Eymard wenigstens, daß der Plan in Paris maßgebenden Priestern unterbreitet wurde. Als
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dann drei Bischöfe wider Erwarten einmütig erklärten, es sei Gottes Wille, daß sich der Pater unverzüglich diesem Werke widme, bat dieser seinen Vorgesetzten um Entbindung von den Ordensgelübden, wobei er aber bemerkte, daß er in Dankbarkeit und Liebe immer ein Sohn der "Gesellschaft Mariens" bleiben wolle. Er gestand aber auch: "Niemand weiß, wieviel mich dieses Opfer gekostet hat, aber wenn man glaubt, daß Gott einen ruft, muß man auch sein Leben hingeben; und selbst dies ist noch wenig." Freilich haben so manche, die den Pater früher bewunderten, diesen seinen Schritt mißdeutet und ihn als Abtrünnigen und Wankelmütigen betrachtet, ja einer erklärte: "Ich fürchte, daß Gott den P. Eymard durch einen tiefen Fall verdemütigen wird." Nicht weniger groß waren die äußeren Schwierigkeiten, Entbehrungen und Enttäuschungen; selbst der erste und damals einzige Gefährte des Heiligen verließ ihn in dieser Lage, kehrte aber nach 24· Stunden wieder zu ihm zurück. Am 1. Juli 1856 konnte endlich das Institut der "Priester vom heiligsten Sakramente" (S.S.S.) die erste Kapelle mit einem kleinen Tabernakel in Paris sein eigen nennen; am 8. Mai 1863 wurde die Kongregation durch Papst Pius IX. bestätigt. "Das Werk beginnt in äußerster Armut", schrieb der Heilige einmal, "aber auch inmitten der Freude und Dankbarkeit unserer Herzen; denn wir sind reich durch unseren Herrn." Die heilige Eucharistie war für P. Eymard Vorbild und Ziel seiner Heiligung und seines Apostolates. Sie war ihm Vorbild: denn in diesem höchsten Geschenk Gottes an die Menschheit sah er zugleich die größte Herablassung und Selbstentäußerung Gottes, und diese wollte er nachahmen und nachleben durch die gänzliche Hinschenkung und Hingabe seiner selbst an jeden göttlichen Willen und Wunsch. - Sie war ihm auch Ziel: er wollte heilig sein, um in der Nähe und Vertrautheit mit dem
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Allerheiligsten leben und ihm in vollkommener Weise dienen zu können. In seinen persönlichen Aufzeichnungen und Vorsätzen lesen wir: "Da ich durch ein besonderes Gelübde das Innerste und Unveräußerliche in mir, meine eigene Persönlichkeit, Jesus in der heiligen Eucharistie geschenkt und geweiht habe, muß Er in mir alles sein, alles empfangen und jegliches Ziel in mir sein. So kann ich also für mich weder Ehre noch Zuneigung noch irgend ein Gut mehr empfangen, denn um geehrt und geliebt zu werden und um zu besitzen, muß man jemand sein; ich aber bin gleichsam nur mehr eine Sache, die ganz und gar dem Willen unseres Herrn im Heiligsten Sakramente ausgeliefert ist. - Der Heiland erwartet, daß ich Ihm mich selbst gebe und Ihm diene durch das Ganzopfer meiner selbst: ,Nicht das Deine will ich, sondern Dich!' Er gab mir zu verstehen, daß ich durch einen Akt persönlicher Demut oder persönlicher Armut Ihn mehr verherrliche als durch alle Tugendakte, die ich Ihm durch andere verschaffe. Ein Akt der Verachtung meiner selbst gibt dem Herrn größere Ehre als alle Bekehrungen, ja sogar als der Erfolg der Kongregation ... Der Geist der inneren und äußeren Abtötung wird mich loslösen von mir selbst und wird Jesus eng mit mir verbinden ... Ich soll ähnlich mit Ihm vereint sein, wie die menschliche Natur Jesu Christi der Person des Ewigen Wortes geeint war ... Das Gesetz dieses Lebens der Einigung und der gänzlichen Abhängigkeit vom Herrn ist dies: Nichts für mich und nichts durch mich allein!" Durchdrungen vom lebendigen Glauben und glühender Liebe zur menschgewordenen, in der heiligen Eucharistie fortlebenden göttlich-unendlichen Liebe, hat Pater Eymard dem eucharistischen Erlöser nicht nur durch seine Kongregations-Mitglieder immerwährende Huldigung verschafft; er war diesen in drei täglichen oder nächtlichen, in tiefster Andacht verbrachten Anbetungs-
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stunden auch ein leuchtendes Vorbild. Mehr noch, er wollte allen Gläubigen unentwegt zurufen: Jesus Christus ist da (in der heiligen Eucharistie); kommt also zu Ihm! Und er gab den Seinen und damit allen Gläubigen wertvolle Anweisungen: Wir werden das Herz des eucharistischen Erlösers erfreuen, wenn wir mit Ihm sprechen über seinen himmlischen Vater und über alles, was Er zu dessen Ehre getan und gelitten hat; wenn wir dann mit Ihm reden über seine Liebe zu den Menschen und über alles, was Er für sie tat und sich kosten ließ. Sprechen wir auch mit Jesus von seiner heiligen Mutter Maria und danken wir Ihm für die Liebe, die Er ihr erwiesen hat. Sprechen wir mit Ihm über seine Heiligen und preisen wir seine Gnade in ihnen! - Lassen wir sodann auch Ihn zu uns sprechen und erschließen wir unser Herz den Strahlen der Sonne und Güte seines Herzens, indem wir in der Ruhe und im Schweigen der Liebe Ihn in unserer Seele wirken, uns in Ihn hineinnehmen lassen. Nicht einmal der Gedanke an unsere Armseligkeiten und Sünden darf uns niederdrücken, sondern wir wollen die Zeit der Besuchung oder Anbetung vielmehr beginnen in der Seelenhaltung: Wie bin ich froh und glücklich, daß ich kommen, Dich begrüßen und diese Minuten bei Dir verbringen darf! Wie gut bist Du, daß Du mich rufen wolltest und Dich würdigst, ein so armes, kleines Geschöpf, wie ich bin, zu lieben! Und wie sehr ist es recht und billig, daß auch ich Dich liebe und immer mehr zu lieben verlange. Und diese Liebe eröffnet uns sein Herz, das uns aufnimmt und zu liebender Anbetung einlädt.

Unerschöpfliche Anregung zum betrachtenden Gebet bietet der Rat des Heiligen, in der heiligen Eucharistie Jesus Christus in seiner Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu sehen: in seiner Ewigkeit als liebendes und geliebtes Wort des Vaters, in seinem Erdenleben, in sei-
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nem Wirken in der Kirche und in den Menschenseelen und in der Herrlichkeit des Himmels, an der er uns Anteil geben will. In der heiligen Eucharistie setzt J esus Christus in gewissem Sinne die Gegebenheiten seines Lebens und seine Tugenden fort. Denken wir an seine Geburt in Bethlehem und an die sakramentale Geburt auf dem Altare und in unseren Herzen; an das verborgene Leben in Nazareth, das sich gleichsam fortsetzt in der hochheiligen Hostie im Tabernakel; an das welterlösende Leiden auf Kalvaria und dessen Vergegenwärtigung im heiligen Opfer des Altares. - Ist Jesus nicht auch im heiligsten Sakramente "sanft und demütig" wie in seinem Erdenleben? Ist Er da nicht immer noch der Gute Hirt, der göttliche Tröster, der Freund und Liebhaber der Menschen? Und vor allem ist Er der immerwährende und einzige Hohepriester des Neuen Bundes, der opfert und betet. Ja, unser Gebet erhält seinen wahren Wert nur durch die Vereinigung mit dem Gebete Jesu Christi. Das erhabenste "Gebet" Unseres Herrn aber ist das heilige Opfer der Messe, in dem Er dem Ewigen Vater eine unendliche Huldigung der Anbetung und des Dankes, eine vollkommene Sühne und eine alles vermögende Bitte darbringt.

Auch über die heilige Eucharistie spricht der Heilige mit glühender Liebe, wenn er z. B. schreibt: "Empfanget die heilige Kommunion doch um Jesu Christi willen, wenn ihr sie schon nicht um euretwillen empfangen wollt! Die hl. Kommunion um Jesu willen empfangen will aber heißen: Ihn entschädigen wollen für die Verlassenheit, in der Ihn die Mehrzahl der Menschen läßt; Ihm sagen und zeigen, daß Er sich nicht getäuscht hat, als Er dieses Sakrament als geistige Stärkung einsetzte; es heißt: Nutzen ziehen aus den Schätzen der Gnade, die Er uns in der hl. Eucharistie erschlossen hat; und es bedeutet: seiner Liebe die Möglichkeit zur Be-
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tätigung bieten, die Er wünscht, und seiner Güte die Freude machen, daß Er freigebig seine Gaben und Gnaden spenden kann. Um Jesu Christi willen kommunizieren heißt: Ihm ein neues Leben bieten, das Er der Verherrlichung seines Vaters weihen kann. Im heiligsten Sakramente kann Er den himmlischen Vater nicht mehr mit einer Liebe ehren, die frei und damit zugleich verdienstvoll wäre. Wenn aber wir Christen Ihn in der heiligen Kommunion empfangen, geben wir seiner Liebe Betätigungsmöglichkeiten, und es entsteht eine wundersame Gemeinsamkeit der Liebe, worin der Mensch sich müht und Verdienste erwirbt, Jesus aber die Gnade gibt und den himmlischen Vater verherrlicht."

Das Vorbild für die Kongregation vom heiligsten Sakramente sollte nach dem Willen ihres heiligen Gründers das Leben Mariens im Abendmahlssaale sein, wo sie die erste Anbeterin Jesu Christi in seinem sakramentalen Zustande war: "Alles in Maria strebte hin zu Jesus und verlor sich in Jesus. Und wie mußte Jesus glücklich sein, als er die Huldigung seiner heiligsten Mutter empfing! ... Auch die beste Vorbereitung auf die hl. Kommunion ist jene, die man vermittels seiner heiligsten Mutter macht." - Als P. Eymard, durch Leiden, Sorgen und Arbeiten erschöpft, sein Ende nahe fühlte, wollte er nochmals seine Lieblingsheiligtümer Mariens in Le Laus und La Salette besuchen, die ihm schon seit seiner Kindheit teuer waren. Ein letztes Mal predigte er den Seinen in Paris, und sein letztes Wort in jener Ansprache war: "Wir haben die Liebe erkannt, die Gott zu uns hat, und vertrauen auf sie (1 Joh. 4, 16). Alles liegt darin: an die Liebe glauben. Es genügt nicht, an die Wahrheit zu glauben: Man muß an die Liebe glauben. Und die Liebe ist unser Heiland Jesus Christus im heiligsten Sakrament des Altares. Der Glaube verhilft uns dazu, Unseren Herrn zu lieben." - Am 21. Juli 1868,
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genau 34 Jahre nach seiner Priesterweihe, zelebrierte er nochmals die heilige Messe in La Salette, wohl ohne zu wissen, daß es seine letzte war. Nachher war er so schwach, daß man ihn in Grenoble zurückhalten wollte. Er zog es aber vor, sich in einem Wagen nach La-Mure bringen zu lassen, wo seine Schwester auf ihn wartete, die für ihn gleichsam Mutterstelle vertreten hatte. Und dort vollendete er am 1. August das Opfer seines Lebens mit der Ruhe und Gelassenheit eines Heiligen, der heimkehrt zu seinem Gott. Von seinen Söhnen gefragt, ob er ihnen noch ein letztes Wort sagen wolle, erwiderte er:

"Nein. Ihr habt doch die heilige Eucharistie in eurem Hause."

Als im Jahre 1858 Fräulein Margareta Guillot, die Mitbegründerin der Dienerinnen des heiligsten Sakramentes, sich nach Paris begeben mußte, wollte sie zuerst noch dem heiligen Pfarrer von Ars den Zweck ihrer Reise mitteilen und um seinen Segen bitten. Dieser, den übrigens P. Eymard in den "Dritten Orden Mariens" aufgenommen hatte, sagte ihr: "Ja, folgen Sie nur meinem Heiligen!" - So pflegte der heilige Johann Baptist Vianney den Pater Eymard immer zu nennen. Und dieses Urteil wurde nunmehr feierlich von der Kirche bestätigt, nachdem schon am 12. Juli 1925 die Seligsprechung des Dieners Gottes erfolgt war.

Lit.: Quirini Moraschini e M. Pedrinazzi SSS, San Pietro Giuliano Eymard, Apostolo dell'Eucaristia, Isola del Liri 1962.
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Delphin
am: 26.12.2013
um: 11:04:47
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Pierre-Julien Eymard - Biografie A
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