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Ist Gott demütig ?
Ich habe letztes Jahr (2013) was erlebt und weil ich mir denke daß es mehr Menschen als nur mir hilfreich sein könnte möchte ich es hier öffentlich erzählen.
Ich hörte in einem Gottesdienst folgenden Text aus dem Evangelium nach Lukas (Lk 17:7-17:10)
17:7 Wenn einer von euch einen Sklaven hat, der pflügt oder das Vieh
hütet, wird er etwa zu ihm, wenn er vom Feld kommt, sagen: Nimm
gleich Platz zum Essen?
17:8 Wird er nicht vielmehr zu ihm sagen: Mach mir etwas zu essen, gürte
dich, und bediene mich; wenn ich gegessen und getrunken habe, kannst
auch du essen und trinken.
17:9 Bedankt er sich etwa bei dem Sklaven, weil er getan hat, was ihm
befohlen wurde?
17:10 So soll es auch bei euch sein: Wenn ihr alles getan habt, was euch
befohlen wurde, sollt ihr sagen: Wir sind unnütze Sklaven; wir haben
nur unsere Schuldigkeit getan.

Als ich das hörte war ich wie vor den Kopf gestoßen.
Ich hatte noch das Bild vom Barmherzigen Vater im Kopf und dann so was.
Das kann doch nicht wahr sein dachte ich mir daß Gott wie ein Sklavenhalter ist und so mit uns umgeht – das war zu viel – aber es ist ein Wort Gottes – eine Wahrheit die Jesus hier ausspricht, ein guter Rat den er dem engsten Kreis seiner Freunde gibt.
Ich betete etwa so: Herr Jesus das kann doch nicht wahr sein – willst Du mir wirklich sagen daß das eine der Eigenschaften Gottes ist ? Daß Gott wie ein Sklavenhalter ist der sich rundum bedienen läßt ? Damit wirfst Du in mir alles über den Haufen was ich bisher von dir gelernt habe – bitte laß mich nicht dumm sterben, bitte laß mich verstehen was Du gemeint hast.

Ich hatte den Satz noch nicht zu Ende gesprochen da kam die Einsicht:
Jesus spricht da nicht von irgendjemand sondern er spricht von sich selbst – Er ist der Sklave in dem Gleichnis. Wer kann denn schon von sich behaupten „Alles getan“ zu haben – wenn nicht Jesus selbst ?
Bestimmt war das vielen von Euch schon längst klar und ihr wusstet das schon – aber mir wurde es erst jetzt und in diesem Schriftwort klar wie bescheiden und demütig Jesus im Umgang mit seinem Vater ist. Im Licht dieser Erkenntnis sehe ich jetzt so manches Schriftwort mit ganz anderen Augen.

Jesus – der Sohn Gottes – ist also demütig … In diesem Zusammenhang: Was heißt denn eigentlich demütig ? Ich denke damit ist „Dienmütig“ gemeint. Also Mut zum Dienen zu haben - oder eine dienende Gesinnung zu haben.
Diese Eigenschaft finden wir bei Jesus tatsächlich an vielen Stellen des Evangeliums.
Denken wir an die Fußwaschung, oder an das Wort „Meine Speise ist es den Willen dessen zu tun der mich gesandt hat“ Das ist die innere Grundhaltung Jesu: DIENEN ! und zwar in Bescheidenheit auch das kann man aus dem Schriftwort oben lernen: Ich hätte da mich da großspurig hingestellt und über meine Demut gelehrt – Jesus nimmt sich ganz zurück und erzählt ein Gleichnis bei dem nicht gleich offensichtlich ist wo er selbst steht.

Die folgenden Stellen fallen mir in Jesu Leben auch noch auf in Bezug auf Demut:
Jesus wird beschnitten und seine Eltern bringen für ihn das Reinigungsopfer für arme Leute dar – zwei Tauben – lassen wir uns das auf der Zunge zergehen: Er, der Reine schlechthin, will, daß für ihn geopfert wird wie für jeden anderen Sterblichen Menschen. Seine Eltern wußten doch wes Geistes Kind er ist – „wes Geistes Kind“ – so wahr wie in diesem Zusammenhang wird dieses Wort nirgends sonst !
Dann bei der Taufe Jesu im Jordan: Recht hat Johannes wenn er sagt: Ich müsste von Dir getauft werden und Du kommst zu mir ? Jesus: Laß es nur geschehen – wir müssen die ganze Gerechtigkeit Gottes erfüllen. So taufte Johannes Jesus im Jordan und es geschah, daß Johannes sah daß der Himmel sich öffnete und der Geist Gottes wie eine Taube auf Jesus herabkam und er blieb auf ihm ruhen. Das müssen wir uns vor Augen führen was hier geschieht: Hier wird vor unseren Augen die heiligste Dreifaltigkeit – der Gott an den wir glauben – EINS! Ein Ereignis in unserer Welt zu einer bestimmbaren Zeit und an einem bestimmbaren Ort wird Gott EINS, ein historisches Ereignis – der Vater war ja auch da, denn wir hören seine Stimme „Dieser ist mein geliebter Sohn an dem ich meine Freude (Wohlgefallen) habe“. Schon eigenartig – Es ist fast so als würde der Vater seinen Sohn an diesem Akt der Demut „erkennen“ – der Apfel fällt nicht weit vom Stamm ? Ist der Vater demütig ?
Ist der allmächtige Gott den wir in drei Personen ehren, Er, den die Unendlichkeit des Weltalls nicht zu fassen vermag, Er der dies alles mit einem Gedanken erschaffen hat – ist dieser Gott an den wir glauben demütig ? dienender Gesinnung ?
Jesus antwortet bei seinen Abschiedsreden dem Philippus auf sein bekanntes Wort „Herr zeig uns den Vater und es ist uns genug“: So lange bin ich schon bei euch und Du hast mich nicht erkannt ?
Wer mich sieht sieht den Vater – ich und der Vater sind eins. Wenn also Jesus uns an so vielen Stellen des Evangeliums als demütig und bescheiden erscheint – dann zeigt er auch darin Eigenschaften des Vaters.

Mich hat das so fasziniert und beeindruckt daß ich unglaublich viel Freude daraus empfange so oft ich darüber nachdenke. Das ist unfassbar und Bestaunenswert.
Als ich das was ich euch hier jetzt erzählt habe sinngemäß und voller Begeisterung einem anderen Menschen erzählt hatte antwortete dieser bedächtig: Daß Gott so demütig ist ist wohl eine Folge seiner Liebe zu uns. – Ich führe das nicht weiter aus – aber denkt da mal drüber nach!

Aber jetzt wieder zurück zu dem Gleichnis das ich von Jesus am Anfang wiedergegeben hatte:
Bei mir war das in meinem Hirn und vor meinem geistigen Auge immer irgendwie ein fetter Gutsverwalter der sich da bedienen ließ und an diese Stelle setzte ich in meinen Gedanken den Vater im Himmel – und war entrüstet! Aber später fiel mir auf: Jesus fing dieses Gleichnis nicht, wie so oft, an mit den Worten: Mit dem Himmelreich ist es wie … sondern: Wenn einer von EUCH einen Sklaven hat! Jesus redet nicht von seinem Vater als Sklavenhalter sondern er hält uns einen Spiegel vor: So geht ihr doch mit euresgleichen um!

Aber jetzt kommt das wichtigste: Die Belehrung aus dem Gleichnis.

So soll es auch bei euch sein: Wenn ihr alles getan habt, was euch
befohlen wurde, sollt ihr sagen: Wir sind unnütze Sklaven; wir haben
nur unsere Schuldigkeit getan.

Noch einmal: Alles getan zu haben – das kann wohl außer Jesus niemand von sich behaupten. Aber selbst wenn es so wäre so sollen wir vor Gott dennoch in dienender Gesinnung bleiben – abwarten was Er will – nicht was wir wollen. Wenn wir wir uns hinstellen und unseren gerechten Lohn fordern könnte es sein daß Gott uns tatsächlich gerecht entlohnt für unsere Werke. Gerecht könnte dann heißen: Genau so armselig wie unsere Werke sind könnte dann auch unsere Belohnung ausfallen. Jesus hätte dieses Recht gehabt zu fordern aber er blieb der wahre und geliebte Sohn seines Vaters - und Jesus rät uns nicht nur genau so zu handeln sondern mehr noch diese innere Haltung zu einer Grundeinstellung zu machen, mehr und mehr – so gut es geht.
Wenn Menschen sich Gott nähern – wir sehen das an allen Heiligen – wahrscheinlich ohne Ausnahme, dann werden sie Gott ähnlich – auch in dieser Eigenschaft. Wenn man dann Aussagen hört von solchen Menschen die Gott nahe gekommen sind dann könnte man meinen das sei eine „bucklige“ (also falsche oder geheuchelte/vorgetäuschte) Demut aber das ist nicht so. Wenn die dem wahren Gott nahegekommen sind dann erkennen die sich auch im gleichen Maße selbst und daher kommt diese Demut – es ist ein Stück Erkenntnis der Wahrheit wer wir selber sind und wer Gott ist.

Diese Demut ist aus meiner Sicht die erste und wichtigste Tugend ohne die alles nichts ist. Ohne sie ist es überhaupt nicht möglich Gott näher zu kommen. „Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder könnt ihr nicht ins Himmelreich kommen“ – „Selig die arm sind im Geiste denn ihrer ist das Himmelreich“ diese Worte hauen meiner Meinung nach alle in die gleiche Kerbe: Ohne diese Demut geht gar nichts und um diese Demut muß man glaube ich auch ringen spätestens immer dann wenn wir etwas als Demütigung empfinden – Mutter Teresa von Kalkutta pflegte das dann immer als ein Geschenk Gottes zu bezeichnen – „oh – a gift of God“ !
Warum fallen wir immer und immer wieder in dieselben Sünden ? Weil wir noch nicht demütig sind.
Wenn wir auch nur ein Stückchen vorankommen auf dem Weg der Demut dann ändern sich auch unsere Gewohnheiten – dann tut sich was. Wenn wir die Demut noch nicht haben dann ist unser Fallen das was uns hilft zu Gott – wenn wir es uns eingestehen können und dahin gehen wo wir geheilt werden (ich spreche vom Sakrament der Sündenvergebung).

Demut ist auch nötig um Gott anbeten zu können: Wir gehen äußerlich in die Knie vor dem Gott der so demütig ist daß er sich uns schenkt in einem winzigen Stückchen Brot, in einer Hostie. Wenn wir dieses in die Knie gehen auch innerlich vollziehen dann geschieht das was wir Anbetung nennen: Adorare – dann kommen wir in Kußnähe zu Gott. Schon eigenartig: Erst wenn wir innerlich auf die Knie gehen kommen wir in Kußnähe zu Gott – es scheint als ob Er schon da war und wer ist dann wohl demütiger - der Mensch der sich einen Meter kleiner gemacht hat oder der große Gott der ihm zuliebe in einem kleinen Stückchen Brot gegenwärtig bleibt ?

Ich habe mal eine Szene gesehen die bildlich vor Augen führt was da geschieht.
Frere Roger Schütz, der Gründer von Taize, war zu Besuch bei Papst Johannes Paul II. Als er sich ihm näherte und dann vor ihm stand fiel er auf die Knie und küßte Joh. Paul II die Hand. Als dieser den Kniefall sah zuckte er zurück und versuchte schnell ihn aufzurichten.
Und genau das passiert in der Anbetung, genau so ist Gott im Umgang mit uns – und dieses letzte Bild zeigt uns auch wie das Gleichnis von Jesus weitergeht. Deshalb sollten wir uns nicht zu gut sein um auf die Knie zu gehen vor Gott – je kleiner wir uns vor ihm machen umso größer macht er uns dafür.

Ja, Gott ist demütig – ich würde ihn sogar als den „König der Demut“ bezeichnen. Widersinnig ? Nein, nicht bei Gott – denn sein Königreich ist nicht von dieser Welt und mit einem irdischen König ist Gott auch kaum vergleichbar.
Wie singen wir in einem Kanon: Lobet und preiset ihr Völker den Herrn, freuet euch seiner und dienet ihm gern.
Ich glaube das ist das Geheimnis der Allmacht Gottes: Daß alle Engel, alle Mächte und Gewalten sich glücklich schätzen ihm dienen zu dürfen. Alle Engel ? Nein leider nicht alle – einige ließen sich auszahlen.

Wenn ihr wollt – ich würde mich freuen über Anmerkungen in denen Ihr Bibelstellen nennt wo euch die Demut Gottes besonders aufstrahlt.

Jaa ... und genau das ist passiert: Ein guter Freund hat den folgenden Text irgendwo im Gebetshaus Augsburg entdeckt - den möchte ich euch weitergeben: (hier eingefügt am 19.Aug.2016)

Die Demut Jesu
In jedem Menschen schlummert eine „Bestie“. Ein Kind rühmt sich offen, dann sagen wir es nur noch, dann
denken wir es nur noch, dann nicht mal das: aber der Impuls bleibt! Unsere Berufung: umgestaltet werden in Christus. Dies
geschieht durch a) Betrachtung des Charakters Jesu (2 Kor 3,18) und b) Konfrontation mit anderen Menschen.
1. Jesus sucht nicht seine Ehre (Joh 5,42-44)
- wirkt ein Wunder und möchte nicht, dass es bekannt wird
- um König machen wollen: „auf den Berg, er allein“ (Joh 6,15)
- lässt sich taufen, obwohl er ohne Sünde ist
- legt keinen Wert darauf, bei einflussreichen Menschen gut dazustehen
- muss die nicht niedermachen, die ihm Anerkennung verweigern
- kann schweigen, auch gegen falsche Gerüchte (Joh 8,41; Mt 11,18f.; Mt 9,34; Joh 8,48; Joh 10,20; Joh 9,16; Joh
9,24; Mk 3,21; Mt 27,42)
- Jesus geht lieber, als Johannes Konkurrenz zu machen (Joh 4,1-3)
2. Mitmenschen konfrontieren die Ehrsucht in uns
- der andere redet nur von sich
- jemand erwidert meinen Gruß auf der Straße nicht
- jemand nimmt mich nicht ernst / verlacht mich
- meine Leistung wird nicht gesehen
- im werde kritisiert
- Lob berauscht mich
>> Starke emotionale Reaktion (Wut, Trauer) zeigt, dass unser Herz an der Ehre durch Menschen hängt. Das bedeutet
freilich nicht, dass nicht wirklich Unrecht geschehen ist!
3. Zwei Spielarten
„Ich bin nicht gut genug“ ist nur die andere Seite der Medaille „ich bin besser als die anderen“. Beides führt zu einem
Leben in Unfreiheit, weil die Macht über das Wohlbefinden in den Händen der anderen liegt. „Wie würdest Du
eigentlich leben, wenn die anderen keine Rolle spielten?“: wenn diese Frage unklar ist, ist die Gefahr groß, das
eigene Leben zu versäumen. Im sozialen Raum sind Erwartungen anderer wichtig, doch sie dürfen nicht den
innersten Halt auf Herzensebene bestimmen. Das „Ansehen bei den Menschen mehr als das Ansehen bei Gott“ zu
lieben, ist jedenfalls ein eindeutiger Grund, warum Menschen von Jesus abfallen (Joh 12,42f.).
4. Jesu Geheimnis: er empfängt seine Ehre vom Vater (Joh 8,54)
- Jesus ist nicht allein (Joh 8,29)
- beim Vater ist ein echter Lohn (Mt 6,6)
- ein komplett anderes Wertesystem (Bergpredigt): „selig seid ihr!“
* Beten im Verborgenen
* Fasten ohne Lohn
* Geben ohne Lohn
* Menschen werden Euch hassen
- heute seltene Tugend: das tun, was richtig ist, einfach nur weil es richtig ist.
5. Praxis: Leben und Gottes Blick (Joh 8,50)
- andere ehren
- Treue im Ungesehenen
- Ehr-Verletzungen sind Wachstumschancen
- wenn ich emotional reagiere: erst nach innen sehen
- mir selbst Ehre zusprechen
- den Blick des Vaters zu mir durchlassen
- ständige Ehrverletzungen thematisieren (ansprechen)
 
 
hochgeladen von:
Christophorus.
am: 08.03.2014
um: 13:54:06
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