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Vergelt's Gott!


In der Abgeschiedenheit von Z…, wo ich, Pater Norbert, vor der sowjetischen Besetzung Seelsorger war und von wo man mich dann vertrieben hatte, begab sich einmal etwas Seltsames. Ich würde mich hüten, vor der Öffentlichkeit darüber zu berichten, denn die Intellektuellen hielten mich bestimmt für verrückt.
Die Sache hat sich in einem Dörfchen mit ungefähr 1500 Einwohnern zugetragen. Die Volksschullehrerin war eine militante Atheistin. Ihr ganzer Unterricht dreht sich um die Grundforderung: “Gott abzutun.“ Es war ihr jede Gelegenheit recht, unsere Religion herabzusetzen, lächerlich zu machen und öffentlich zu verschmähen. Ihr Lehrplan war einfach: Heranbildung junger Gottloser. Die verschüchterten zweiunddreißig Kinder wagten nicht sich zu verteidigen. Ihre Familien aber waren gläubig und treu in der Erfüllung ihrer religiösen Pflichten. Als Pfarrer des Ortes versammelte ich mein kleines Völkchen in der Kirche zum Religionsunterricht. In Ungarn, wie überall hinter dem eisernen Vorhang, ist der Unterricht gespalten. Wie sollen sich da Kinder zurechtfinden ? Aber geben Sie jetzt acht! Da greift die Gnade ein, gelegentlich durch seltsame Charismen unterstützt.
Im Allgemeinen machten die Albernheiten, mit denen Frl. Gertrud, die Lehrerin, die Kinder ständig berieselte, nicht viel Eindruck auf auf das kleine Volk. Ich bemühte mich nach Kräften, die Kinder geistig auszurüsten, indem ich sie an den häufigen Sakramentenempfang gewöhnte. Und merkwürdig! Frl. Gertrud schien einen geheimnisvollen Spürsinn zu besitzen: Immer bekam sie heraus, wer kommuniziert hatte, und die ihre schwarzen Schafe, wie sie sagte, behandelte sie mit triebhafter Wut besonders hart und grausam. Möglich wäre es ja gewesen, daß sie ihre Kenntnis von dem einen oder anderen Spitzel hätte beziehen können.
Aber da kam wieder die Zeit zu Hilfe. Die neuen Bestimmungen über die eucharistische Nüchternheit ermöglichte es den Kindern, etwas Warmes zu trinken, ehe sie sich auf den Schulweg machten, an dem auch die Kirche lag. Manche kommunizierten, andere nicht. Aber Frl. Gertrud fand erstere auf den ersten Blick heraus. Man hätte es schon sehr schlau anstellen müssen, ihr in dieser Zeit die Namen der Kommunikanten zur Kenntnis zu bringen. Wir haben auch niemals an eine solche Möglichkeit gedacht. Die Pfarre war einig, die Kinder bildeten eine feste Gemeinschaft.
In der vierten Klasse A befand sich die zehnjährige Angela. (Die Namen der Kinder und der Lehrerin sind geändert.) Sie war sehr gescheit, sehr begabt und immer die Erste. Ihre Mitschüler beneideten sie nicht, denn sie hatte ein goldenes Herz und war stets darauf bedacht ihnen gefällig zu sein.
Eines Tages trat Angela mit der Bitte an mich heran, täglich zur hl. Kommunion gehen zu dürfen. „Weißt du auch, was du da auf dich nimmst ?“ fragte ich sie. Sie lachte spitzbübisch, als gelte es, jemand einen Streich zu spielen: „Herr Pfarrer, sie wird mir nicht so leicht etwas vorwerfen können, ich versichere es ihnen. Ich werde noch fleißiger sein … bitte sagen sie nicht nein. An den Kommuniontagen fühle ich mich stärker. Sie sagen ja, ich muß ein gutes Beispiel geben. Dazu brauche ich Kraft.“ – Ich sagte ja, wenngleich nicht ohne Besorgnis.
Von diesem Tag an war die vierte A eine kleine Hölle. Angela konnte ihre Schulaufgaben immer tadellos, aber die Lehrerin ließ ihre übelste Laune an ihr aus und schikanierte sie in jeder Weise. Das Kind ertrug dieses Leid geduldig, aber es wurde immer blässer. – Schau Angela, ist´s nicht doch zu schwer ?“ – „O nein, Herr Pfarrer. Jesus hat noch viel mehr gelitten, als man ihn verhöhnt, gegeißelt und an das Kreuz geschlagen hat.“
Die Tapferkeit des Kindes erfüllte mich mit Bewunderung.
Angela selbst beklagte sich nie bei mir über die schlechte Behandlung, die sie erfuhr, aber ihre Mitschülerinnen erzählten mir oft weinend von den Attacken der Lehrerin. Im Unterricht kam sie ihr nicht bei, und so ersann sie täglich Neues, um sie von ihrem Glauben abzubringen. Sich über den Lehrplan völlig hinwegsetzend, öffnete sie vor ihren Schülerinnen das ganze Arsenal der Gottlosen, und Angela vermochte nichts zu entgegnen. Sie stand aufrecht da, stumm, mit gesenktem Kopf, von einem Schluchzen gewürgt. Ihr Glaube blieb unerschütterlich, aber wie sollte sie ihn verteidigen ?
Als die Zeit des Advents heranrückte, wurde der Unterricht immer mehr zu einem Duell zwischen der Lehrerin und diesem zehnjährigen Kind. Scheinbar triumphierte erstere und behielt immer das letzte Wort. Wozu dieses wütende Beharren ? Es war wohl Angelas Schweigen, das die Lehrerin außer sich brachte. Die Mitschülerinnen riefen in ihrer Bestürzung meine Hilfe an. Aber was konnte ich tun ?
Mein Eingreifen hätte die Atmosphäre noch mehr vergiftet. Gott sei Dank, Angela hielt stand. Es blieb nichts anderes als das Gebet aus all unseren Kräften.
Die Sache wurde im Dörfchen und in der ganzen Umgebung bekannt. Aber niemand verwies es mir, daß ich Angela die tägliche Kommunion gestattet hatte. Es war keinem ein Geheimnis, daß die Lehrerin in dem zarten Kind ein allgemeines Gut, den Schatz des Glaubens treffen wollte. Die Eltern ermutigten ihre Tochter immer wieder auszuhalten und plötzlich stand Angela im Mittelpunkt des allgemeinen Interesses. Alle bewunderten ihre Größe. Nur sie selbst hatte keine Ahnung, sie fühlte sich gedemütigt durch ihre Unfähigkeit sich zu verteidigen und Beweisgründe für ihren Glauben beizubringen.
Kurz vor Weihnachten, am 17. Dezember, erfand Frl. Gertrud ein grausames Spiel, das, wie sie meinte, dem überkommenen Glauben, der ihre Schule verpestete, den Gnadenstoß versetzen sollte.
Die Szene verdient es, in ihrem ganzen Umfang dargestellt zu werden. Angela wird ungezwungen in ein Frage- und Antwortspiel verwickelt: „Was tust du, Kind wenn Deine Eltern Dich rufen ?“ „Ich komme“, sagte Angela leise und scheu. „Sehr gut. Du hörst sie rufen und kommst sofort, wie es eben ein braves Kind tut. Und was geschieht, wenn deine Eltern den Rauchfangkehrer rufen ?“ „ Er kommt“, sagte das Kind. Ihr Herz schlägt wie wild, sie wittert eine Falle, kann sie aber nicht sehen. Frl. Gertrud funkelt mit den Augen und fragt weiter. Eine kleine Zeugin sagte mir später: „Sie schaute so boshaft, so entsetzlich boshaft…“ – „Gut, mein Kind. Der Rauchfangkehrer kommt, weil es eben einen gibt, weil er lebt.“ – Einen Augenblick herrschte Stille. Dann fährt die Lehrerin fort: „Du kommst, weil du lebst. Aber nehmen wir an, deine Eltern rufen deine Großmutter, die tot ist. Wird sie kommen ?“ „Nein ich glaube nicht“, entgegnete Angela. „Bravo. Und wenn deine Eltern den Ritter Blaubart rufen, oder das Rotkäppchen ? Nun, was wird dann geschehen ?“ – „ Es wird niemand kommen, weil das Märchen sind.“ Angela hebt den Blick, senkt ihn aber sofort wieder, weil sie nicht in die Augen der ihr Gegenüberstehenden schauen kann. „Gut, sehr gut“ triumphierte die Lehrerin. „Du scheinst ja heute sehr scharf denken zu können. Ihr seht also, Kinder, die Lebenden, diejenigen, die es gibt, die kommen, wenn man sie ruft. Und wer nicht kommt, wenn er gerufen wird, den gibt es entweder gar nicht oder er lebt nicht mehr. Das ist klar, nicht wahr ?“ „Ja“, antwortete die Klasse im Chor.“ Und jetzt wollen wir einen Versuch machen.“
Zu Angela gewendet:“Geh du jetzt hinaus, Kind!“ Die Kleine zögert, tritt dann aber aus der Bank und gleich fällt die Tür hinter dem schmächtigen Figürchen ins Schloß. „Und nun Kinder, ruft sie!“ Angela, Angela“, schallt es aus einunddreißig Kehlen. Man glaubt, es handle sich am Ende wirklich um ein Spiel. Angela kommt zurück, sie ist ganz verwirrt. Die Lehrerin genießt mit geschwellter Brust den Erfolg. „Wir sind also einer Meinung, nicht wahr?“ sagt sie… „Wenn ihr jemand ruft, der lebt, den es gibt, so kommt er. Wenn ihr jemand ruft, den es nicht gibt, kommt er auch nicht und er kann auch nicht kommen. Angela ist leibhaftig da, sie lebt; sie hört es, wenn ihr sie ruft, und kommt. Und jetzt nehmen wir an, ihr ruft das Jesuskind. Ist jemand unter euch, der noch an das Jesuskind glaubt ?“ – Einen Augenblick ist es ganz still. Dann melden sich einige schüchterne Stimmen: „Ja, ja …“ Zu Angela gewendet: „Und du, Kind, glaubst du, daß das Jesuskind dich hört, wenn du es rufst?“ Angela antwortet tapfer: „Ja ich glaube, daß es mich hört.“ Sehr gut“, spottete die Lehrerin.“ Wir wollen einmal den Versuch machen.“ Ihr habt vorhin gesehen“, sagt sie zur Klasse gewendet, „daß Angela hereinkam, nachdem ihr sie gerufen hattet. Wenn es ein Jesuskind gibt, wird es hereinkommen, wenn ihr es ruft. Ruft also alle miteinander ganz laut: - Komm, Jesuskind! – Eins, zwei, drei, alle miteinander!“
Die Kinder senkten die Köpfe. In das angstschwere Schweigen fällt ein Hohngelächter. „Da wollte ich euch haben, das ist mein Beweis. Ihr getraut euch nicht, es zu rufen, denn ihr wißt ganz gut, es würde nicht kommen, euer Jesuskind. Und es hört euch nicht, weil es kein Jesuskind gibt, ebensowenig wie einen kleinen Däumling oder einen Blaubart gibt, weil alles bloß eine Sage ist.“ Bestürzt schweigen die Kinder noch immer. Die brutale Beweisführung trifft sie mitten ins Herz.
Wer in Kinderpsychologie nur einigermaßen bewandert ist, weiß, wie Spitzfindigkeiten, die sich auf ein konkretes Experiment stützen, auf Kinder wirken müssen. – Die eine oder andere Schülerin begann, wie sie mir später gestanden, zu zweifeln. Ja wirklich, wenn es das Jesuskind gibt, wieso sieht man es dann nicht ?
Angela stand noch immer stumm und totenbleich da. „Ich habe gefürchtet, sie fällt um“, erzählte mir eines der Mädchen. Die Lehrerin freut sich sichtlich an der Verwirrung der Kinder. Schließlich sagte sie triumphierend: „Zermalmt das Infame!“
Da geschah etwas völlig Unerwartetes: Angela sprang mit einem Satz mitten in die Klasse hinein, ihre Augen waren feurig, und sie schrie: “Wir wollen es aber doch rufen. Hört ihr ! Alle miteinander rufen wir: Komm Jesuskind!“ – Im Augenblick stand die ganze Schar auf. Mit gefalteten Händen, ernsten und entschlossenen Blicken und von einer ungeheuren Hoffnung im Herzen riefen sie: „Komm Jesuskind!“
Darauf war die Lehrerin nicht gefasst gewesen. Sie trat unwillkürlich einige Schritte zurück. Den Blick hielt sie befremdet auf Angela gerichtet. Eine Stille, schwer wie mit Todesangst geladen. Dann wieder die kristallklare Stimme Angelas: „Noch einmal!“ Und alle Kinder riefen ein zweites Mal: „Komm Jesuskind!“ Es war ein Schrei, von dem Mauern hätten einstürzen können, erklärte mir später ein Kind.
Und da geschah es. Ich will es mit den Worten der Kinder selbst berichten, ich habe sie alle einzeln befragt. Ihre unbeholfene Ausdrucksweise erschien mir richtiger als alle Darstellung, die wir Erwachsenen geben könnten. Ich armer Seelsorger, der ich war, hatte ein Zeichen selber recht notwendig. Man ist da unten oft sehr am Ende seiner Kräfte.- Die Kinder schauten nicht auf die Tür, sie schauten auf die Mauer vor ihnen und auf Angela. Da ging die Türe lautlos auf. Die Kinder merkten es, denn das ganze tageslicht floh plötzlich auf diese Tür zu.
Das Licht wuchs und wuchs, dann wurde es eine Feuerkugel. Die Kinder bekamen Angst, aber es ging alles so schnell, daß sie nicht einmal Zeit hatten zu schreien. Die Kugel ging auf und in der Kugel erschien ein Kind, reizend und schön, wie sie noch keines gesehen hatten. Das Kind lächelte sie an, ohne ein Wort zu sprechen. Seine Gegenwart war von unendlicher Süße. Sie hatten keine Angst mehr, es war nur noch Freude. All das dauerte einen Augenblick ? eine Viertelstunde ? eine Stunde ? – Seltsamerweise gingen die Meinungen in diesem Punkt auseinander. Sicher ist jedoch, daß das Geschehnis nicht die Dauer einer Unterrichtsstunde überschritt. Das Kind war weiß gekleidet und sah aus wie eine Sonne. Es brachte selbst das Licht hervor. Die Tageshelle erschien daneben schwarz. Einige der Mädchen waren davon wie geblendet und es taten ihnen die Augen weh. Andere betrachteten das Kindlein mühelos. Es sagte nichts, es lächelte bloß, dann verschwand es in der Lichtkugel, die allmählich zerging. Die Tür schloß sich auch von selbst leise. Voll Entzücken, das Herz voll Freude überflutet, konnten die Kinder kein Wort hervorbringen.
Da zerriß ein gellender Schrei die Stille. Ganz verstört und mit Augen, die ihr aus den Augenhöhlen hervortraten, schrie die Lehrerin:- „Es ist gekommen! Es ist gekommen!“ - Und dann floh sie und schlug die Tür hinter sich zu.
Angela schien aus einem Traum zu erwachen. Sie sagte einfach: „Ihr seht, es gibt das Jesuskind. Und jetzt wollen wir danken!“ Die Kinder knieten nieder und beteten ein Vaterunser, ein Gegrüßet seist Du Maria und ein Ehre sei dem Vater. Dann verließen sie das Klassenzimmer, denn es hatte soeben geläutet, es war Pause.
Die Sache wurde bald bekannt. Die Eltern suchten mich auf, und wie bereits erwähnt, befragte ich die Kinder, jedes für sich. Ich kann unter Eid bezeugen, daß ich in ihren Aussagen nicht den leisesten Widerspruch fand. Und was mich am meisten überraschte, ist der Umstand, daß ihnen schließlich die ganze Begebenheit nicht als etwas Außergewöhnliches erschien. „Wir waren in Bedrängnis“,sagte eines der Mädchen, „Und da mußte das Jesuskind kommen und uns helfen.“ – Und die Lehrerin ? fragte die Schriftstellerin, der Pater Norbert die Begebenheit erzählte. Ja, ich bin ihnen noch ein Nachwort schuldig. Frl. Gertrud mußte ins Irrenhaus gebracht werden. Die Schulbehörde vertuschte die Sache. Wie es heißt, hat die Lehrerin unaufhörlich geschrien: „Es ist gekommen, es ist gekommen!“ Da konnte man sie natürlich nicht behalten. Ich wollte sie besuchen, aber mein Bemühen war vergeblich.
Priestern wird der Zutritt in die Anstalt kategorisch verweigert. Fälle religiösen Wahnsinns sind dort besonders zahlreich. Personen, die zum Beispiel an der Entweihung unserer Kirchen Schuld tragen, enden fast alle im Wahnsinn. Aber ich bete doch täglich bei der heiligen Messe für Frl. Gertrud.- Und Angela ? Angela ist jetzt aus der Schule und hilft ihrer Mutter daheim. Ich glaube sie möchte Ordensschwester werden, aber natürlich habe ich sie seit meiner überstürzten Abreise aus den Augen verloren. Maria Winowska
Die Geschichte fand ich in dem Buch „Eucharistische Wunder aus aller Welt“ ISBN 3-7171-0645-7 erschienen im Christiania Verlag Stein am Rhein von Maria Haesele unter dem Titel „Gott läßt seiner nicht spotten“ S265 - S272.
Ich glaube das Buch gibt’s nur noch antiquarisch – ich hab es schon lange.

Die richtige Weihnachtsgeschichte also nicht so Chris Kringel Geschwätz und dergleichen hören sie dann in der Christmette.
 
 
hochgeladen von:
Christophorus.
am: 23.12.2015
um: 14:46:29
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Eine wahre Weihnachtsgeschichte der besonderen Art
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