WerbungWerbung 
 
Dunkle Nacht

In einer dunklen Nacht,
die Liebesglut - o glückliches Geschehen
zum Sehnsuchtsbrand entfacht,
entfloh ich ungesehen
und ließ mein Haus schon tief in Ruhe stehen.

Ich konnt‘ in Heimlichkeit,
vermummt, auf schmaler Treppe sicher gehen,
gedeckt von Dunkelheit -
o glückliches Geschehen! -
und ließ mein Haus schon tief in Ruhe stehen.

Sollt niemand meiner achten
in dieser Segensnacht;
auch wollte ich mir selbst kein Ding betrachten;
nichts andres führte mich,
als nur mein Licht im Herzen innerlich.

Dies hat mich hingeleitet,
Viel sichrer als das volle Licht am Tage,
wo er sich mir bereitet,
zu dem ich Liebe trage;
und kein Geschöpf uns dort zu stören wage.

O Nacht, die holder scheint
als Morgenrot, in ihren dunklen Falten
die Liebenden vereint,
bis göttliche Gewalten
die Liebste in den Liebsten umgestalten.

An meiner Brust, allein
für ihn erblüht, genoss er traute Rast;
hier schlief Er friedlich ein;
ich labte meinen Gast,
und Kühlung fächelte ein Zedernast.

Als schon der Morgenwind
sein Haar umspielte, fühlt‘ am Nacken streichen
ich Seine Hand, so lind;
dies traf mich ohnegleichen
und ließ mir alle Sinne süß entweichen.

Vergessen sog mich ein.
Ich blieb, das Haupt dem Liebsten angeschmiegt,
und ließ mein ganzes Sein
entschwinden. Eingewiegt
ist unter Lilien mein Gram versiegt.
 
 
hochgeladen von:
Klara-Maria
am: 27.12.2008
um: 19:46:45
6534 mal angezeigt
Dunkle Nacht - Hl. Johannes vom Kreuz
Um dieses Medium als Favoriten hinzufügen oder es an einen Freund senden zu können, müssen Sie sich einloggen!